Sevilla startet in die neue Saison und natürlich wurde der Saisonauftakt dort vorbereitet, wo beim FC Sevilla traditionell die wirklich wichtigen Entscheidungen getroffen werden: im 100 Montaditos. Oma Ana, Padre Pedro, Friseur Paco und Trainer El Sansi sitzen wieder am Stammplatz und haben das Saisonende noch einmal bis ins kleinste Detail analysiert. Von einer Krisensitzung kann allerdings keine Rede sein. Schließlich wurde Sevilla vergangene Saison Fünfter. Für drei der vier Anwesenden war das auch völlig in Ordnung. Für Oma Ana hingegen war Platz 5 ungefähr so erfreulich wie kalte Pommes. Nach zwei oder drei Supersaisons hatte sich die heimliche Präsidentin offenbar daran gewöhnt, dass Sevilla gefälligst oben mitzuspielen hat. „Fünfter“, murmelte sie und schüttelte den Kopf. „Das ist doch kein Zustand.“ Paco versuchte noch zu erklären, dass fünf besser als sieben sei, wurde von Oma Ana aber mit einem Blick zum Schweigen gebracht. Das Saisonziel steht deshalb wie immer fest: Platz 7. Niemand weiß genau, warum ein Fünfter Platz enttäuschend und Platz 7 plötzlich ein Erfolg sein soll, aber Oma Ana hat entschieden und damit ist die Sache erledigt. Schließlich geht es ihr nur darum, den FC Sevilla vor dem Verfall zu bewahren. Dafür hatte sie in den vergangenen Jahren immer eine Geheimwaffe: Gott. Leider ist auch dieser mittlerweile offenbar urlaubsreif. Padre Pedro verweigert jedenfalls jeglichen geistlichen Beistand. Der Heilige Beistand sei komplett aufgebraucht, erklärte er beim zweiten Montadito. „No more miracles. Alles leer. Jegliche himmelsliche Unterstützung wurde bereits letzte Saison verbraucht.“ Besonders hilfreich ist die Situation auch deshalb nicht, weil Friseur Paco höchstens einen Schnittchen-Haarschnitt anbieten kann. „Mehr kann ich nicht machen“, sagte Paco. „Wenn es sportlich bergab geht, kann ich wenigstens die Seiten retten.“ Bleibt also Trainer El Sansi. Und auch hier gibt es eine kleine sprachliche Herausforderung. El Sansi spricht nämlich kein Spanisch. Dafür spricht er Dänisch und Englisch und streut gelegentlich ein paar spanische Wörter ein, was die taktischen Besprechungen beim FC Sevilla inzwischen zu einem linguistischen Abenteuer macht. „Guys, Mucho pressing, but we need to be calm. No panic, amigos. We defendere together, and then we go forward. Vamos!“ Die Spieler schauen sich anschließend gegenseitig an und versuchen herauszufinden, ob gerade eine taktische Ansage oder die Speisekarte vorgelesen wurde. Oma Ana lässt ihn trotzdem weitermachen. Noch. Denn schließlich hat sie ihre eigene Taktik längst vorbereitet. Und diese heißt Rioja. Die legendäre Rioja-Rotwein-Mische, die vergangene Saison gestrichen wurde, steht plötzlich wieder auf dem Tisch. Ob sie tatsächlich ihr Comeback feiert, entscheidet selbstverständlich nur Oma Ana. Niemand sonst. Padre Pedro darf zwar geistlichen Beistand verweigern, Paco darf Haare schneiden und El Sansi darf Dänisch-Englisch-Spanisch sprechen aber beim Rioja hat ausschließlich Oma Ana das Sagen. U
Zum Auftakt geht es zuhause gegen Granada, anschließend auswärts gegen Osasuna und danach wartet Valencia in Sevilla. Drei Spiele, neun Punkte und ein Saisonziel, das eigentlich niemand versteht: Platz 7. Oma Ana ist zufrieden, solange es nicht wieder nur Platz 5 wird. Padre Pedro hofft auf ein kleines Wunder, obwohl er eigentlich keine mehr hat. Paco steht mit der Schere bereit, falls irgendwo etwas abgeschnitten werden muss. El Sansi versucht unterdessen weiterhin, seine Mannschaft davon zu überzeugen, dass „rolig men aggressiv, mucho pressing og no stupid mistakes“ eine völlig normale taktische Ansage ist.
|